Am 20. März landete ich mit einer kleinen Reisegruppe bestehend aus Hamburger Designern, Hackern und Makern in Belgrad. Ziel: die Resonate, ein Technologiefestival das seit 2011 in der serbischen Metropole stattfindet.
Balkantechnisch relativ unbeleckt und um ein im Flugzeug vergessenes Macbook leichter, purzelten wir aus dem Flieger in die 1,2 Millionen Stadt (die bisher unter meinem Reiseradar lag – völlig zu Unrecht übrigens) und in eine hübsche Airbnb-Wohnung mit fantastischer Dachterasse.

Sozialistische Betonorgien, moderner Brutalismus (schönes Tumblr zum Thema Brutalismus hier) und dann am Schluß der Taxifahrt vom Flughafen, eine wunderbar wuselige Altstadt mit prächtigen, schwarzverrußten Jugendstilfassaden und Granatlöchern neben dem Rolf Benz Flagship Store – So sieht also eine Stadt aus, die über 38-mal dem Erdboden gleichgemacht wurde.
Flair von Berlin-Mitte nach dem Krieg - nur 2013
Ein verrückter, energiegeladener Smash aus Bareclona, Berlin, Moskau. Bei 18 Grad und Sonne für uns nach dem Siebenmonatswinter 2012/2013 eine kleine Offenbarung.
Die Resonate selbst entpuppt sich als symphatische Konferenz im Kulturzentrum Dom Omladine in der Mitte der Stadt.

Am ersten Tag finden diverse Workshops statt. Im Erdgeschoß des Kulturzentrums steht ein DJ fullday an den Plattentellern während oben Geeks aus ganz Europa in alten Computersprachen programmieren (z. B. mit Lisp – hat übrigens noch mehr Klammern als Javascript) oder unter Anleitung von Kyle Mc Donald und Golan Levin am Face- und- Bodytracking mit open Frameworks arbeiten. Rasperry Pis (aka „20 Dollar Computer“) waren auch hier ein großes Thema.

Die Talks an den Tagen zwei und drei der Konferenz haben Ihren Fokus schwerpunktmässig auf Designthemen und Cases mit künstlerischem Anspruch. Meine persönlichen Highlights waren dabei der Talk von David Gauthier vom Copenhagener Institute of Interaction Design (CIID), der kurzweilige Talk des US-Spieleentwicklers Zach Gage sowie die Session der Berliner von NAND.
Twitter in 3D ausdrucken
Wie die Gamer-Realtität mit dem echten Leben vebunden werden kann, zeigt Zach Gage bspw. mit seinem Spiel im Spaceinavadors-Style, bei dem jeder feindliche Abschuß das Löschen einer (willkürlichen) Datei auf der eigenen Festplatte bedeutet. (ggf. auch ein Ansatz für verspamte Mailpostfächer ;)..)

Die Crew des Berliner Designstudios NAND gab einen Einblick in ihre Zusammenarbeit mit unterschiedlichen CreativeLabs und zeigte, dass es durchaus Sinn machen kann, das Internet auszudrucken. Z. B. wenn dadurch Twitterdaten eines Events zu einer interaktiven, haptisch begreifbaren 3D- Datenskulptur werden: http://www.nand.io/visualisation/emoto-installation
Fazit: Inspirierende Konferenz
Kulturelle & übernachtungstechnische Notizen an mich selbst - für den nächsten Trip: Juniorsuite im Hotel Moskau austesten, Sightseeing mit I Bike Belgrad und im Supermarket Concept Store vorbeischauen.
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Quelle Photos: Sven Kräuter (cc-by-sa)
Work, Rest, Play.
Letzteres finde ich eigentlich schon seit ich denken kann am Besten. Damit mein Spieltrieb nach einer ganzen Woche voller wirklicher und vermeintlicher Ernsthaftigkeiten nicht einfach irgendwann - zack - verschwunden ist, habe ich gestern Abend mit dem ClockIT Kit von Sparkfun Electronics gegengesteuert.
Der kleine Bausatz des sympathischen Elektronikhändlers sieht aus wie aus dem Bombenselbstbaukasten (wird wahrscheinlich filmtechnisch öfter mal als entsprechende Requisite verwendet) ist im Kern aber eine ganz harmlose kleine Digitaluhr mit Alarmfunktion und perfekt, um sich die Hände mit Lötzinn schmutzig zu machen.
Da ich für meine Wearable Electronics Prototypen Schaltkreise bisher bevorzugt mit Lilypad Arduino und Nadel und Faden platziert habe, ist das Kit genau das Richtige zum Lötenüben.
Die 13 Buttons, Kippschalter, Wiederstände und den ATMega Microkontroller, der das ganze steuert, auf die Platine zu löten, benötigt (selbst wenn man langsam ist und ab und zu mal ein Geraffel produziert, z. B. zwei Kontakte zusammenlötet etc.) nur ca. 20-30 Minuten. Das Schönste: Auch wenn die süße Uhr nur ca. 5 cm breit ist, trötscht sie mindestens genauso so laut wie ihr Pendant aus dem Smartphone. Nice!
Internet
Move! (via: http://pinterest.com/pin/99923685451765177/)
Petronios

Hundertzwanzigtausend Menschen pilgern an einem Samstag im Mai 2012 im US-Amerikanischen San Mateo auf ein schlichtes Messegelände. Am Eingang steht ein buntes, aus Metall zusammengeschweißtes Fabeltier, das rhythmisch Feuer spuckt und auf der Messe scharen sich junge Geeks, Designer, Hacker zusammen mit Familien und Schulklassen um Bananenxylophone und 3D-Drucker. Angelockt hat sie die größte Maker Fair der Welt. Maker? Klingt ungewöhnlich – ist es aber von Tag zu Tag weniger. Um den DIY Trend zu verstehen, muss man mit der Hardware beginnen: Herzstück vieler Maker-Projekte ist ein kreditkartengroßen Platine mit dem italienischem Namen „Arduino“ („starker Freund“). Es handelt sich um Arduino Microcontroller, kleine Computer die es auch für Laien einfach machen, eine Menge verrückter Dinge zu bauen: Pflanzen die Twitternachrichten senden, wenn sie Wasser benötigen, Schuhe, die blinde Menschen via Vibration auf einer bestimmten Route durch die Großstadt navigieren oder Glascontainer die es einem via Highscore gutschreiben wenn man Altglas abgibt. Die Komponenten gibt es auch in einer vernähbaren Variante die Lilypad heißt, mit der man Kleidern Funktionen geben kann.
From Hardware to Knitware

Die erste Maker Fair fand im Jahr 2006 statt. Seitdem hat sich die Idee des Technik-Fests rasant & weltweit verbreitet (Kairo, Dublin, Tokio etc.). Dale Dougherty, Gründer der Makerfair in San Mateo und Herausgeber des Make Magazines spricht von einer übergreifenden „Philosophie des Machens“. Für ihn steht dabei weniger die Technologie mit der Dinge gemacht werden im Fokus, sondern der Einzelne als schöpferisches Individuum. Maker Movement, das ist für Dougherty ein Dach, unter dem er Menschen die anpacken, die Marmelade einkochen, Möbel bauen, nähen, stricken genauso wie Tüftler, die an Elektronikkomponenten basteln, subsummiert. Making als übergreifendes Gesamtprinzip der verschiedenen DIY Trends sozusagen. Als Gegenströmung zur zunehmenden Entfremdung einer Welt, die rasant digitalisiert wurde, liefert die Maker Subkultur dabei Antworten auf die Fragen: Wie funktioniert der ganz Kram eigentlich genau? Und was hat das mit mir zu tun? (Videolink: The Rebirth oft he Maker Movement: https://vimeo.com/15729047)
DIY Typen
Was ist das Maker Movement nun? Die hippe, digitale Fortsetzung des spießigen Heimwerkertums der 60er Jahre? Oder noch schlimmer - wie das Feuilleton gelegentlich mutmaßt - Vorbote einer neuen Kultur des Dilettantismus; alles halb können, aber nichts so richtig? Hinter dem Begriff DIY steckt erwartungsgemäß mehr und es macht Sinn, die Maker-Bewegung hier im Kontext zu betrachten: In der DIY-Kultur gibt es z. B. genauso den klassischen Heimwerker der nach dem Krieg in den 50ern Geld einspart indem er sein Häuschen selbst renoviert wie auch die Anarchopunks die in den besetzten Häusern schon seit den 70ern ihre Kutten selber nähen, Buttons pressen und via Siebdruck Poster und T-Shirts designen; weniger um Geld zu sparen, sondern um sich von der vorbehaltlosen Konsumgesellschaft abzugrenzen. Bei der neuen DIY Bewegung die sich z. B. rund um Onlineplattformen wie Etsy oder DaWanda manifestiert, geht es dann stärker um eine Mischung aus Selbstverwirklichung, der Freude daran, die eigene Kreativität auszuleben und zu teilen, zusammen mit einer Prise Gegenbewegung zum schnellen Konsum von billigen Industrieprodukten. Hierzu gesellt sich seit Mitte des letzten Jahrzehntes die Strömung des Maker Movements, kulturell artverwandt auch mit den Hackern. 

Physical Computing & Internet of Things
In der Makerbewegung steigt das Interesse, nicht nur in Softwarelösungen sondern auch in Hardwarelösungen zu denken. Am von Sven Kräuter aus Hamburg mitkuratierten Stand auf dem Google Event „Creative Sandbox 2012“ in Berlin sehen die Besucher z. B. einen Kleiderbügel, der mit der Google Wetter API kurzgeschlossen ist und morgens intuitiv via stärker oder schwächer pulsierendem Farbton signalisiert, welche Klamotte im Schrank zu warm oder zu leicht für den Tag ist. Hier benötigt es keine App mehr, die man auf einem Display aufruft um das Internet und seine Dienste zu nutzen.
Viele Hände, viele Köpfe, viel Kreativität! Durch die neuen günstigen Elektronikkomponenten ist es für jedermann erschwinglich, Prototypen selbst zu fertigen. Und da die Produktentwicklung nun nicht mehr rein in den Händen einer kleinen Gruppe bezahlter Spezialisten liegt, findet die Crowd kreative Lösungen für grundlegende Probleme:
Zum Beispiel für die, trotz aller Fortschritte der vergangenen 15 Jahre, schlechte Usability unserer Endgeräte. Ständig müssen wir tippen, sollen scrollen, Dinge auf Displays lesen die kein Sonnenlicht vertragen – jeder Computernutzer kennt die Problematik.
Das spiegelt die sehr technische, ursprünglich militärbasierte, Vergangenheit des Internets wieder und zeigt zugleich, dass es an Hardware mangelt die auf uns User zugeschnitten ist. Das Display ist für manche Dinge geeignet, für viele aber auch nicht. Hier setzt eine spannende Strömung an, die unter Topoi wie „Internet of Things“ und „Physical Computing“ diskutiert wird.
Interaktion ohne Display
Der Trend geht - wie das Beispiel des intelligenten Kleiderbügels exemplarisch zeigt - weg vom Display. Das Internet schlüpft in die Dinge selbst hinein und ermöglicht es dem Nutzer, intuitiv mit Objekten zu interagieren. Wie konkret diese Interaktion werden kann, zeigt das Beispiel der Good Night Lamp einer „Familie“ kleiner Lampen von Alexandra Deschamps-Sonsino die es Menschen erleichtern, via Internet intuitiv auch über Distanz in Kontakt zu bleiben. Schaltet man z. B. im Hotel abends die eigene kleine Lampe an, beginnt das Lämpchen bei den Freunden oder Kindern daheim ebenfalls zu glühen.

Sven Kräuter, Mitgründer von making things happen aus Hamburg, präsentiert auf der Social Media Week 2012 in der Hansestadt mit seinem MakersBulli eine unorthodoxe Tweetwall: Einen internetfähigen kleine VW Bus, der auf einer Schallplatte fährt und via integriertem Lautsprecher und eingebauter Nadel Musik abspielt. Je mehr Positives über die Session getwittert wird, desto stärker nimmt das Artefakt während des Talks an Tempo auf - bis dann Bohemian Rhapsody von Queen mit ordentlich Speed durch den Raum schallt.

Die Kreativität der Szene, die sich mit diesen zauberhaften Projekten beschäftigt, erinnert an die Hobby Computer Bewegung der 70er Jahre, als viele enthusiastische Macher damit begannen, mit neuen Technologien zu spielen. Statt Software steht heute Hardware im Zentrum des Geschehens und im Vergleich zu damals stehen wir technologisch auf den Schultern von Riesen. Wir dürfen gespannt sein, was diese zweite Digitalisierungswelle schafft und verändert; kulturell, in der Art wie wir unsere Umwelt formen bis hin zu unserem Verständnis von Marken und der Art wie wir Waren produzieren.
Bike Book Shelf
Warum das Rennrad im Wohnzimmer parken? Weil man Platz hat, weil das Rad gut aussieht, weil man diese neuen grünen Mäntel hat, die zur Couch passen, farblich - weil das Velo draußen nur nicht geklaut wird solange man selbst draufsitzt, man sein Schloss verloren hat, der Schlüssel zum Fahrradkeller klemmt oder dort das Licht nicht funktioniert? Der ultimative Grund könnte jedenfalls dieses Utensil für den Living Room Hipster Rad Parkplatz werden.
Ganz nice auch zum Selberbauen.
(Pic via: : http://www.theknifeandsaw.com/KSItemDetail.php?E=&PC=1&II=2)
G.B. Shaw